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Verführerische Stimmwelten


Claudia Blersch, Eja Bellmont, Fabienne Böni

Theoretische Arbeit:
Stimmen, besonders Gesangsstimmen, faszinieren Menschen aller Kulturen. Im Gesang ist die Stimme noch deutlicher als Körperausdruck erkennbar als beim Sprechen. Beim Singen, in der Verbindung von Musik und Wort, greift die Stimme um sich, berührt und verführt ihre
Zuhörer. Von der Stimme geht eine Magie aus, die wir nicht wirklich verorten und greifen können. Da ihr Erscheinen auch ihr Verschwinden bedeutet, artikuliert sie immer eine absolute Gegenwart. Roland Barthes sagt: "Es gibt keine menschliche Stimme auf der Welt, die nicht Objekt des Begehrens wäre – oder des Abscheus. Es gibt keine neutrale Stimme
[…]." Was fasziniert uns an der Stimme und ihrer Inszenierung und welches Bündnis hat sie mit der Verführung geschlossen? Die Einleitung betrachtet die kulturgeschichtlichen Mythen der Stimmen und der weiblichen Verführung am Beispiel von Orpheus, der Sirenen und der Loreley aus gendertheoretischer Perspektive.

Band 1:
Da Capo - Die Wiederkehr der Verführung in der Oper

Die Oper entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Gegenraum zur Kirche und Spielstätte eines neuen, selbstbewussten und lustbetonten Menschenverständnisses. Mythische Vorlagen bringen Götter auf die Bühne, die von der Göttlichkeit des Menschen selbst erzählen. Die Arbeit von Claudia Blersch betrachtet den Wandel der Oper als Verführungsfläche und Spiegel der Gesellschaft anhand der Kriterien einer Heterotopie nach Michel Foucault. Am Beispiel der Opern 'Alcina', 'Don Giovanni', 'Carmen' und 'Salome', in deren
Zentrum die Verführungsfiguren schlechthin stehen, zeigt sich wie Macht- und Genderkonstruktionen fortgeschrieben werden. Die Wiederholung konstituiert Differenz und Überschreitung. Cecilia Bartoli spricht vom verführerischen Wiedererkennungseffekt und laut Nikolaus Harnoncourt muss jede emotionale Erfahrung immer wieder neu gemacht werden.
So ist Wiederholung auch Verführung oder mit den Worten von Jean Baudrillard: "Alles ist Verführung, alles ist nichts anderes als Verführung."

Band 2:
Ein Mythos - Umm Kulthum - Stimme Ägyptens

Umm Kulthum (1904-1975), phonetisch 'Oum Kal'sum', ist in der arabischen Kultur die berühmteste ägyptische Sängerin mit mythischem Status. Ihre phänomenale verführerische Stimme und Liebeslyrik sind tiefgehend im individuellen und kollektiven Gedächtnis der Araberinnen und Arabern eingeschrieben. Als provinziales Mädchen in der Rolle eines Beduinenjungens auftretend, erlangte sie schliesslich als Frau mit machtvoller Stimme panarabisches Ansehen. Die Arbeit von Eja Bellmont beschreibt biografische, religiöse, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge, die den Mythos von Umm Kulthum begünstigten. Als theoretische Vertreter zum Mythos werden Roland Barthes, Slavoj Zizek und Gerhard J. Bellinger herangezogen. Mit Eric H. Erikson und Helmut Berding werden die Fragen zur individuellen und kollektiven Identität erklärt. Weitere Meinungen zu Umm Kulthum werden aus Interviews, Presseartikeln und Werken aus der arabischen Literatur (Jehan Sadat, Nagib Machfus etc.) eingeflochten. Zeina B. Ghandour schreibt in ihrem Roman 'Der Honig', dass der Gesang der ägyptischen Diva die Macht besass eine ganze Nation zu versammeln, die ihren Balladen lauschte, denn ihre Lieder kamen aus dem Herzen.

Band 3:
Madonna die Popikone: Göttin der Lust - Priesterin fürs Volk?

Madonna ist seit mehr als 20 Jahren ein wandelndes und zirkulierendes Zeichen der Populärkultur. Ihre Symbolhaftigkeit ist ihr Markenzeichen. Sie versteht es mit Identitäten zu spielen und die Rollen zu wechseln. Durch das Einbringen von spirituellen Praktiken und diversen Strategien produziert sie populärkulturelle Bedeutung. Es ist ein Spiel mit der
Verführung, der Simulation, der Parodie und der Travestie. Die Arbeit von Fabienne Böni stützt sich auf die semiotische und strukturalistische Textanalyse von John Fiske. Das Medium Musikvideo eignet gut zur Untersuchung von Populärkultur, da es Beobachtung und
Interpretation von Bedeutung ermöglicht. Drei Musikvideos; 'Frozen', 'Die another day' und 'Sorry', werden anhand eines Kriterienkatalogs dekonstruiert. Für die Aneignung und Subversion von Identitäten wird Judith Butlers Theorie zur Konstruiertheit des Subjekts
herangezogen. Mit Eckhard Schuhmachers Untersuchung über die Authentizität der Popstars in medialen Live-Performances wird aufgezeigt, dass heute die Popstars durch die Konsumation von Musikvideos als real existierend angesehen werden und damit die StarAuthentizität bestätigen.

Mediale Arbeit:
«SLOTMACHINE»

Die Slotmachine ist ein mediales Spiel mit der Gender-Parodie und der Vielheit Butlers Konzept der Konstruktion und Dekonstruktion der Identität. Über die verführerische Stimme wird ein idealer Körper imaginiert. Stimmen werden einem Körper und Geschlecht zugeordnet. Was passiert, wenn diese Zuordnung unterlaufen wird? Die Slotmachine setzt Bilder möglicher Körper in Szene und dekonstruiert sie.
zerstückelnde Präsentation auf 4 Monitoren entstehen neue Identitäten, indem Zusammensetzung der Körperteile zeitverschieden ändert. Konventionelle Mythen entlarvt und parodiert. Das Kontinuum der Stimme von Elena Mosuc (Opernsängerin), welche die Arie "Vissi d'arte" aus Tosca singt, verleiht den Bildern Identität.





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Band 2


Band 3


SLOT-MACHINE


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